„Es gibt zwei Arten von Tugenden, die Lebenslauf-Tugenden und die Nachruf-Tugenden. Die Lebenslauf-Tugenden sind die Fähigkeiten, die du auf den Markt bringst. Die Nachruf-Tugenden sind die, über die bei deiner Beerdigung gesprochen wird – ob du freundlich, mutig, ehrlich oder treu warst. Warst du fähig zu tiefer Liebe? Wir wissen alle, dass die Nachruf-Tugenden wichtiger sind als die Lebenslauf-Tugenden. Aber unsere Kultur und unsere Bildungssysteme verbringen mehr Zeit damit, die Fähigkeiten und Strategien zu lehren, die du für den beruflichen Erfolg benötigst, als die Qualitäten, die du brauchst, um dieses innere Licht auszustrahlen. Viele von uns sind klarer darin, wie man eine äußere Karriere aufbaut, als darin, wie man inneren Charakter aufbaut. Aber wenn du für äußere Errungenschaften lebst, vergehen die Jahre und die tiefsten Teile von dir bleiben unerforscht und unstrukturiert. Du fehlst an einem moralischen Vokabular. Es ist leicht, in eine selbstzufriedene moralische Mittelmäßigkeit abzurutschen. Du bewertest dich selbst nach einer nachsichtigen Kurve. Du denkst, solange du offensichtlich niemandem schadest und die Leute dich zu mögen scheinen, musst du in Ordnung sein. Aber du lebst mit einer unbewussten Langeweile, getrennt von der tiefsten Bedeutung des Lebens und den höchsten moralischen Freuden. Allmählich öffnet sich eine demütigende Kluft zwischen deinem tatsächlichen Selbst und deinem gewünschten Selbst, zwischen dir und den glühenden Seelen, die du manchmal triffst.“ —David Brooks